Es ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt und flächenmäßig Europas größtes Land: Frankreich trumpft auch, was ausländische Investitionen betrifft, auf Platz 1 in Europa – gefolgt von Großbritannien und Deutschland.

Längst haben die USA Frankreich als attraktiven Wirtschaftsstandort entdeckt: Schon 2005 tätigten sie die höchsten Direktinvestitionen und kreierten dort die meisten arbeitsbeschaffenden Maßnahmen. 2019 wurden sie mit 238 Projekten zu den Top-Auslandsinvestoren Frankreichs. Deutschland folgt mit 180 Investitionsprojekten und ist bislang Frankreichs zweitgrößter Investor.

Die wirtschaftliche Attraktivität Frankreichs hat auch unsere Entscheidung befeuert, dort einen weiteren Standort aufzubauen, denn sie birgt zahlreiche Benefits für unsere Klienten. Erfahren Sie mehr im aktuellen Beitrag von Alain Parent und Guillaume Bastien, Partner bei enomyc in Frankreich.

Wirtschaftsstandort Frankreich: Die Fakten

Frankreich ist Deutschlands wichtigster europäischer Handelspartner. Laut Statista wurden 2019 Waren im Wert von ungefähr 106,73 Milliarden Euro aus Deutschland nach Frankreich exportiert. Strategisch top gelegen, ist Frankreich auch global gut vernetzt – vor allem in Europa, aber auch in Afrika und dem Mittleren Osten. Parallel sind Netzabdeckung und Kommunikationsinfrastruktur hocheffizient und die Strompreise stabil – beste Voraussetzungen also, um vor allem Digitalisierungsprojekte voranzutreiben.

Was seine Investitionen in Forschung und Entwicklung betrifft, so ist Frankreich führend in Europa: 57 Milliarden Euro sollten laut Regierungsplan von 2018 bis 2022 in den ökologischen Wandel, in Bildung und Fortbildung, Innovation und Digitalisierung fließen. Vor wenigen Tagen erst wurde die Nationale Wasserstoffstrategie” vorgestellt, die an Investitionen von 7,2 Milliarden Euro gekoppelt ist. Bis 2025 sollen eine Million Elektromobile und Hybridfahrzeuge jährlich in Frankreich gefertigt werden, so Staatspräsident Emmanuel Macron. Eine aktuelle Studie des European Center for Digital Competitiveness (ESCP) zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit zeigt parallel: Frankreich hat sich in den Jahren 2017 bis 2019 zum führenden Digital Riser” innerhalb der G7 entwickelt. Das Land hat sich um 95 Ränge verbessert.

Zudem bietet Frankreichs Arbeitsmarkt viele qualifizierte Fachkräfte mit einer tendenziell höheren Verfügbarkeit als in Deutschland. Parallel ist der französische B2C-Markt gigantisch und hochattraktiv für deutsche Industriepartner: Deutsche Retailer, beispielsweise Lidl, wachsen in Frankreich überproportional stark. Und das sind nur einige Vorteile. Frankreich bietet deutschen Firmen im mittelständischen Bereich konkrete Wachstumsmöglichkeiten.

Unternehmertum in Frankreich

Frankreich und Unternehmertum – es scheint, als wäre diese Vorstellung in der Vergangenheit nicht sehr weit verbreitet gewesen: „The trouble with the French is that they don’t have a word for entrepreneur“, soll George W. Bush gegenüber Tony Blair geäußert haben. Nun gibt es keinen Beleg für diese Begebenheit, die Realität aber würde diese Aussage Lügen strafen: Frankreich bietet dem Unternehmertum einen sehr dynamischen Markt. So ist das Land unter anderem Host des größten Startup-Campus der Welt: Seit 2017 ist Station F” in der Halle Freyssinet in Paris installiert und zieht weltweit zahlreiche versierte Unternehmen an.

„ETI” und „PME”: Der französische Mittelstand

In Frankreich bilden die „ETI“ (entreprises de taille intermédiaire) und „PME“ (petites et les moyennes entreprises) – die Dampflok der französischen Wirtschaft. Vertreten sind sie mit mehr als 6.000 Firmen. Sie machen 25 Prozent der Arbeitsplätze landesweit sowie 26 Prozent der Investitionen aus.

Der Mittelstand bildet das Herz der französischen Wirtschaft, was vornehmlich im industriellen Bereich schlägt – und das eher regional statt in den Metropolen: So stammen 75 Prozent der mittelständischen Produktionsstätten aus mittelgroßen Städten, 68 Prozent der Headquarters befinden sich außerhalb der Region Île-de-France. Der Mittelstand in Frankreich macht aber nicht nur ein Viertel des gesamten Arbeitsmarktes aus: Sein Anteil am französischen Export beträgt 34 Prozent. Dennoch exportiert der französische Mittelstand weitaus weniger als sein deutsches Pendant – hier sehen wir für Frankreich noch viel Potenzial. Die Komplementarität zum europäischen Exportmeister Deutschland liegt auf der Hand. In Afrika allerdings, wo Französisch als Handelssprache noch weit verbreitet ist und wirtschaftliche Beziehungen teilweise seit Generationen existieren, ist Frankreich klar im Vorteil.

enomyc in Frankreich

Was die Infektionszahlen betrifft, ist Frankreich aktuell eines der am stärksten von Covid-19 betroffenen Länder in Europa. Viele Unternehmen kämpfen mit knappem Cash-Flow und erhalten unter ähnlichen Rahmenbedingungen wie deutsche Unternehmen ein vom Staat garantiertes Darlehen, das „PGE“ (Prêts garantis par l’état).

Für uns ein Grund mehr, uns intensiv Frankreich zuzuwenden: „Viele unserer Kunden unterhalten Tochtergesellschaften in Frankreich, deren wirtschaftliche Entwicklung auf die deutsche Muttergesellschaft Einfluss nimmt“, so Uwe Köstens, Managing Partner von enomyc. „Vor diesem Hintergrund müssen wir in der Lage sein, diese hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit beurteilen zu können. Speziell zum jetzigen Zeitpunkt mit Blick auf die Pandemieentwicklung können für deutsche Unternehmen erhebliche Risiken erwachsen.“


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Alain Parent (li.) und Guillaume Bastien (re.), Partner bei enomyc in Frankreich


„In Deutschland gibt es circa 18.000 Unternehmen, die jährlich Umsätze zwischen 80 und 500 Millionen generieren – der „German Mittelstand“ ist weltweit ein Begriff und „Made in Germany“ ein Synonym für Qualität und Innovation“, so Martin Hammer, Managing Partner von enomyc. „In Frankreich gibt es über 6.000 Unternehmen in einer vergleichbaren Kategorie. Viele dieser Unternehmen werden – im Hinblick auf die in Frankreich deutlich stärker ausgeprägten Corona-Auswirkungen – erheblichen Restrukturierungsbedarf haben, um am europäischen Markt zu bestehen. Dabei kann die langjährige Restrukturierungserfahrung von enomyc auch in Frankreich einen hervorragenden Beitrag zur wirtschaftlichen Gesundung betroffener Unternehmen leisten.“

Obwohl sich die Investitionen in Frankreich, bedingt durch die Pandemie, erstmals seit Jahren erheblich reduziert haben, bleibt das Fundament doch solide. Frankreich hat bereits in den letzten Jahren tiefgreifende wirtschaftliche Änderungen durchlebt. Dadurch haben sich die Rahmenbedingungen für Firmen und Investoren teilweise maßgeblich verändert – auch zum Besseren, blickt man beispielsweise auf die arbeitsrechtlichen Entwicklungen. Im April 2019 wurde das PACTE-Gesetz verabschiedet, was neben dem Wachstum und den Wandel von Unternehmen auch Unternehmensfinanzierungen und weitere Maßnahmen zur unternehmerischen Entwicklung vereinfachen und fördern soll.

Das wirklich Spannende am französischen Markt ist die unterschiedliche Lead-Generierung von Sanierungsprojekten“, findet Martin Hammer. „In Deutschland wird der Druck zur Veränderung ganz wesentlich durch die finanzierenden Institute in Form von Sanierungsgutachten vorgegeben. Bei französischen Finanzinstituten existieren Prozesse in der Form nicht. Der Berater in Frankreich muss selbst aktiv werden und mit exzellenten Referenzen sowie einem tadellosen Trackrecord bei leistungswirtschaftlichen Restrukturierungen überzeugen. Hier sehen wir aufgrund unserer leistungswirtschaftlich geprägten Arbeitsweise unsere besondere Stärke.“

Die Pandemie und die daraus resultierende Krise, die sowohl Deutschland als auch Frankreich aktuell erleben, wirken wie ein wirtschaftlicher Katalysator: Erwartungsgemäß werden die Jahre 2020 und 2021 die über alles entscheidenden Jahre für zahlreiche Unternehmen sein. Ob mit oder ohne PGE: Der französische Markt wird sich voraussichtlich nahezu allen Branchen öffnen, wodurch sich völlig neue Geschäftsmodelle und Optionen bieten werden.

Bleiben Sie mit uns auf dem Laufenden. Wir berichten in Kürze über die Wichtigkeit interkultureller Kompetenzen und welchen Einfluss die kulturellen Faktoren gerade in Frankreich auf den Geschäftserfolg haben.

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