Heutige Erwartungen an Unternehmen sind in ihrer gesellschaftlichen und politischen Dimension beispiellos, sagt unser Director Wolfram W. Hackbarth. Entscheider:innen in Unternehmen müssen schnell, aber mit Bedacht und einem klaren Konzept handeln.

Einer unserer Kunden, ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen, baute für ein junges Start-up eine Anlage, die im Minutentakt Holz-Baugruppen für Tiny-Häuser fertigt und palettiert. Für diesen Millionenauftrag musste der Hersteller seinem Kunden nachweisen, dass die Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards vor Ort bei seinem türkischen Zulieferer von Schweißgestellen und Baugruppen in Ordnung waren: Anhand von Auditberichten, Fotodokumentationen und schriftlichen Bestätigungen musste er belegen, dass alle Teile unter arbeitstechnisch einwandfreien Bedingungen hergestellt wurden.

Das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) ist in der unternehmerischen Praxis allgegenwärtig. Die Anforderungen an Produkte und Serviceleistungen sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. Gerade für klein- und mittelständische Unternehmen (KMUs) sind diese neuen Herausforderungen groß. Im Zusammenhang mit der Emissionsreduktion und der Nachhaltigkeit im breiteren Sinne sind die 2020er-Jahre von politischen und sozialen Vorgaben und Restriktionen geprägt – national und europäisch. Viele Unternehmen müssen Geschäftsmodelle schnell und umfassend anpassen oder sogar neu ausrichten.

Die Erwartungen an Unternehmen sind in ihrer gesellschaftlichen und politischen Breite neu. Denn in den vergangenen Jahrzehnten war es die Wirtschaft selbst, die unternehmerische Umwälzungen vorantrieb. In den 1980er- und 1990er-Jahren sahen sich Automobilindustrie und Maschinenbau mit Forderungen nach Qualitätszertifizierungen oder umfassenden Lean- und Kaizen-Aktivitäten zur Qualitätsverbesserung sowie Produktivitätssteigerungen konfrontiert. Es galt, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verteidigen.

Die 2000er-Jahre zeugten von massiven Kostenreduktionen – zur Bestandsreduzierung in der Produktion oder durch Rationalisierungsmaßnahmen in der Arbeitsplatzorganisation und Optimierung der Mitarbeiter-Ergonomie. Die 2010er waren überwiegend geprägt von Automatisierungsschüben in der Produktion zur Erhöhung von Kapazitäten und Reduzierung von Lohnstückkosten. Erste Digitalisierungsansätze wurden vorangetrieben, wie zum Beispiel durch die Einführung von QR-Codes zur Rückverfolgbarkeit von Produktionsprozessen.

In den vergangenen Jahren haben Unternehmen diesen „Industrie-Kosmos“ verlassen und werden nun mit gesellschaftlichen und politischen Vorgaben konfrontiert, die – auch dank der Vernetzung der Welt über Social Media ¬– die Grundlagen des bisherigen Wirtschaftens verändern. Großkunden und Konsumenten fordern nachhaltig hergestellte Produkte und transparente Dienst- und Serviceleistungen, sodass für Unternehmen ökologische und soziale Nachhaltigkeit mittlerweile zu den Wettbewerbsbedingungen zählen und vermutlich bald auch Darlehenszinsen und Kreditkonditionen etwa an die Emissionsreduktion gekoppelt werden.

Das zwingt Unternehmen zur Neuorientierung und Geschäftsmodelladaption. Dazu gehören die Neuaufstellung der eigenen Organisation bezüglich Kunden- und Mitarbeiterbindungen, die Identifizierung von Lieferkettenrisiken, das Schaffen effizienter und stabiler Prozesse innerhalb von Lieferketten oder das Integrieren nachhaltiger Systempartnerschaften in das eigene Produktionssystem. Und das alles mit einem wachsamen Auge auf die Kosten.

Das beste Beispiel für neue politische und gesellschaftliche Anforderungen ist der Europäische Grüne Deal (European Green Deal, EGD), dessen übergeordnetes Ziel die EU-weite Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 ist. In den nächsten Jahren wird es somit viele Verordnungen und Gesetzesnovellen geben, die von Unternehmen umgesetzt werden müssen. Vor einem Jahr veröffentlichte die EU-Kommission bereits die sogenannte Taxonomie-Verordnung. Sie definiert, ob eine Wirtschaftstätigkeit als ökologisch akzeptabel einzustufen ist, um so den Grad der Nachhaltigkeit von Zukunftsinvestitionen zu ermitteln.

Ganz aktuell in Deutschland ist auch das Lieferkettengesetz oder Sorgfaltspflichtengesetz, das Unternehmen in die Verantwortung für ihre Zulieferer nimmt. Deutsche Unternehmen müssen sich ab 2023 über deren interne Organisationsabläufe und Produktionssysteme einen Überblick verschaffen, um Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten – wie zum Beispiel Kinderarbeit – auszuschließen. Corporate Social Responsibility gehört zwar für viele Unternehmen bereits zum Alltag, doch mit dem Lieferkettengesetz unterliegen sie der Sorgfaltspflicht, in allen Phasen der Produktions- und Lieferkette die Umwelt- und Arbeitsrechtsbedingungen einzuhalten. Das stellt Unternehmer:innen vor unterschiedlichste, teils hochkomplexe neue Aufgaben.

Einst galt beispielsweise für europäische Maschinen- und Anlagenbauer im Wesentlichen das Lasten-/Pflichtenheft als Basis der vertraglichen Zusammenarbeit mit ihren Kunden. Von elektronischen und mechanischen Baugruppen zur Anlagensteuerung bis zur Rechner-Anbindung war darin alles detailliert geregelt. Heute müssen Unternehmen noch nachhaltiger denken und für die ergonomische Bedienerfreundlichkeit der Maschinen, die Be- und Entlüftung der Arbeitsplätze, aber auch für Lärmschutz, vibrationsarme Arbeitsstandflächen und Ausleuchtungen gesetzliche Vorgaben strikt beachten und Konformität bestätigen.

Ähnliche Veränderungen gibt es in allen Branchen. Durch die Zusammenarbeit mit einem großen internationalen Industriehallenbauer wissen wir, dass die Kundenanforderungen auch gegenüber der Bauindustrie enorm gestiegen sind. Von der energieoptimierten Gebäudehülle bis zur naturnahen Integration der Außenanlagen müssen Konstrukteure alles im Blick behalten: Hallendächer mit Photovoltaikanlagen, zusätzliche Gründächer für einen atmungsaktiven Luftaustausch oder auch kaskadierende Luft-Wasser-Wärmepumpen.

Die Anforderungen an Produkte und Serviceleistungen sind in den letzten Jahren massiv gestiegen – von Seiten der Kunden, der Banken und sonstiger Stakeholder. Kunden werden zunehmend auf Produkte verzichten, die offensichtlich die Umwelt belasten, Banken werden die besten Zinskonditionen für die „saubersten“ Unternehmen zurückhalten. Auch Shareholder und Eigner werden Transparenz einfordern, gerade weil in einer vernetzten Welt andere Stakeholder den guten Ruf eines Unternehmens per Knopfdruck in Frage stellen können.

Generell tragen die sozialen Medien stark dazu bei, dass Unternehmen die anstehenden Herausforderungen schneller und fehlerfreier meistern müssen als die der vorherigen Jahrzehnte. Konnte ein Zulieferer einst zum Beispiel die Qualitätszertifizierung durch den Großkunden aus der Automobilindustrie über Jahre hinausdehnen, fordern die Kunden heute in Punkto Nachhaltigkeit schnelle und klare Ergebnisse. Und sie haben keine Scheu, im Internet Fehler oder Entschleunigungsinitiativen ihrer Zulieferer zu benennen.

Welche Fragen beschäftigen Sie rund um das Thema Social Corporate Responsibility? Wir unterstützen Sie, sich diesen neuen Anforderungen zu stellen – mit bewährten Konzepten und wirksamer Umsetzungsbegleitung. Sprechen Sie mich an. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme.

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